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Surfers Ear: Relevanz für Windsurfer und Kitesurfer

Verknöcherungen des Gehörganges beim Windsurfern & Kitesurfen

Das Wasser und Wind (z.B. beim Windsurfen) das Risiko bei Wassersportlern für Verknöcherungen des äußeren Gehörganges erhöhen können, ist nur wenigen bekannt. Dieses Phänomen wird auch häufig als Surfers Ohr oder „surfers-ear“ bezeichnet. Die Häufigkeit, in der diese Verknöcherungen auftreten, scheint unter den verschiedenen Sportarten des Surfens zu differieren. Eine Studie aus dem März 2021 untersuchte die Häufigkeit dieser Verknöcherungen des äußeren Gehörganges bei deutschen, nicht professionellen Wind und Kitesurfern an der Ostsee, die kaltem Wasser und starken Winden ausgesetzt waren. Um weitere Zusammenhänge untersuchen zu können, wurde auch die Expositionszeit (Zeit auf dem Wasser), die Häufigkeit der Aktivität sowie die Schwere der Verknöcherungen erfasst (Wegener, Wegner & Weiss, 2021). Anhand dieser Studie gebe ich einen Einblick in das Thema und zeige auf, was Windsurfer und Kitesurfer präventiv unternehmen können.

Das erwartet dich als Windsurfer und Kitesurfer im Artikel

  • Was genau ist ein Surfers Ear?
  • Wie relevant ist das Surfers Ear für Windsurfer und Kitesurfer?
  • Wie lässt sich ein Surfers Ear beim Windsurfen oder Kitesurfen vermeiden?

Was genau ist ein Surfers Ear?

Surfers Ear und Windsurfen, Kitesurfen, Physiotherapie, Prävention
Entstehungsbereich Surfers Ear

Die Bezeichnung Surfers Ear beschreibt eine Verknöcherung des äußeren Gehörganges im Ohr. Verknöcherungen des äußeren Gehörganges treten in der nicht surfenden Bevölkerung meist beidseitig auf, sind i.R. gering ausgeprägt und symptomlos. Etwa 3–6 % der Gesamtpopulation sind von diesen unproblematischen Verknöcherungen betroffen. Bereits in der Vergangenheit wurde eine Häufung von Verknöcherungen des äußeren Gehörganges bei Surfern festgestellt. Bereits 1977 wurde deshalb der Begriff des „Surfers Ear“ geprägt (Seftel, 1977, S. 58–60). Eine Verengung des äußeren Gehörganges (siehe roter Kreis) kann bei entsprechender Ausprägung zur Einschränkung des Hörens, wiederkehrenden Entzündungen des Gehörganges oder Tinnitus führen (DiBartolomeo, 1979). Bei fortgeschrittener Verengung des Gehörganges kann eine Operation des Ohres nötig werden. Als wahrscheinlichste Ursache für die Verengung, wird ein als Reaktion auf kaltes Wasser auftretendes, wiederholtes eng- und weit stellen der Gefäße des äußeren Gehörganges diskutiert. Dieses wiederholte Zusammenziehen des Gehörganges kann zu einer erhöhten Durchblutung dieses Bereiches führen. Diese erhöhte Stoffwechselaktivität wiederum könnte für die gesteigerte Verknöcherung des äußeren Gehörganges bei Wassersportlern verantwortlich sein (Harrison, 1962, S. 187–201).

Wie relevant ist das Surfers Ear für Windsurfer und Kitesurfer?

In der Untersuchung vom März 2021 wurden 241 Ohren von 130 Teilnehmern untersucht. Die Häufigkeit einer Verknöcherungen des äußeren Gehörganges lag bei 75,1 %. Bei 19,9 % der Fälle wurden starke Verknöcherungen des äußeren Gehörganges gefunden. Die Häufigkeit in der Durchschnitts Bevölkerung wird mit 3–6 % angegeben. Die Expositionszeit und die Häufigkeit der Aktivität hatten einen signifikanten Einfluss auf den Schweregrad der Verknöcherungen. Im Vergleich zu den Surfern waren Wind und Kitesurfer stärker betroffen. Zusammengefasst lässt sich sagen, dass die Wahrscheinlichkeit einer Verknöcherungen des äußeren Gehörganges bei Wind und Kitesurfer sehr hoch ist, höher als bei Surfern.

 

Weiterhin wurde ein signifikanter Zusammenhang zwischen der Expositionszeit und der Schwere der Verknöcherung gefunden. Hier zeigte sich ein Zusammenhang zwischen der Häufigkeit der Aktivität in Tagen pro Woche sowie in Stunden pro Session. Je mehr Zeit auf dem Wasser verbracht wird, desto höher ist das Risiko, ein Surfers Ear zu entwickeln. Windsurfer und Kitesurfer sind hiervon gleichermaßen betroffen. (Wegener et al., 2021).

Wie lässt sich ein Surfers Ear beim Windsurfen oder Kitesurfen vermeiden?

Der Grund für das Auftreten des Surfers Ear scheint die Kombination aus kaltem Wasser und Wind zu sein. Ziel der Präventionsstrategie sollte es also sein, das Ohr, genauer gesagt den Gehörgang vor dem Eindringen von kaltem Wasser sowie vor Wind zu schützen. Da die Surfer in den Untersuchungen weniger betroffen waren als die Wind- oder Kitesurfer, könnte es für die „Windsportler“ besonders wichtig sein, das Eindringen von Wind in den Gehörgang zu unterbinden. Es sind verschiedene Ohrstöpsel erhältlich, die das Ohr ähnlich wie In-Ear Kopfhörer oder Oropax gegen eindringendes Wasser und Wind abschotten. Die, wohl bekanntesten, sind von der Firma SURFEARS, weniger bekannt aber sehr hochwertig sind die Modelle SOWEI SURF von HÖRLUCHS (Markennennung ohne Bezahlung, keine Werbung). Weitere Möglichkeiten sind das Tragen eines Neopren Stirnbandes oder eines Helmes mit Ohrpolstern. Es werden auch verschiedene Öle oder Sprays angeboten, deren Wirksamkeit jedoch teilweise fraglich ist. Im Zweifel sollte man sich bei bestehenden Problemen von einem Hals-Nasen-Ohren-Arzt oder Taucherarzt beraten lassen.

Fazit: Surfers Ear ist bei Kite- & Windsurfern häufig, Prävention ist möglich

Zusammengefasst bleibt festzuhalten, dass Windsurfer und Kitesurfer von der Gefahr eines Surfers Ear überdurchschnittlich stark betroffen sind. Es scheint sinnvoll, sich mit dem Thema zu beschäftigen und präventive Maßnahmen zu ergreifen und die eigenen Ohren vor Wind und kaltem Wasser zu schützen.

Nützliche Links zum Thema Surfers Ear und Windsurfen bzw. Kitesurfen

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Quellen für Artikel Surfers Ear bei Windsurfen und Kitesurfen:

Beschriebene Studie im  Volltext:

Wegener, F., Wegner, M. & Weiss, N. M. (2021).

External auditory exostoses in wind-dependent water sports participants: German wind- and kitesurfers.

European Archives of Oto-Rhino-Laryngology, (0123456789). Springer Berlin Heidelberg.

doi:10.1007/s00405-021-06939-7

 

 

Weitere Quellen:

DiBartolomeo, J. R. (1979).

Exostoses of the External Auditory Canal. Annals of Otology, Rhinology & Laryngology, 88 (6_suppl), 2–20.

doi:10.1177/00034894790880S601

 

 

Harrison, D. F. (1962). The relationship of osteomata of the external auditory meatus to swimming.

Annals of the Royal College of Surgeons of England, 31, 187–201.

PMID 13904891

 

 

Seftel, D. M. (1977).

Ear Canal Hyperostosis—Surfer’s Ear: An Improved Surgical Technique.

Archives of Otolaryngology, 103 (1) 58–60.

doi:10.1001/archotol.1977.00780180096015

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